Bruce's Meinung

39 – Von den Begebenheiten des Hauses, der Sibylle und der holden Hunde

Wahrlich, es ist abermals viel Zeit dahingegangen, und siehe – ich bin älter geworden. Zehn Sommer zähl’ ich nun schon! Ein gar ehrwürdiges Alter, dünkt mich, und Zeit, dass sich der Ton hier wandle – und zwar flugs, auf dass es nicht gar so schlaff einhergehe!

Schon wiederum neigt sich ein Jahr dem Ende zu, und – wie könnt’ es anders sein – die Sibylle ward abermals gen Finnland gereiset. Zweimal gar in einem Jahr! Beim letzten Male, so höret und staunet, ward ihr Koffer auf mysteriöse Weise verschollen. Ein Glück, dass wir diesmal daheim verblieben! Stellt euch nur vor, unser edles Futter wäre dahin gewesen – ein Greuel sondergleichen! So aber labten wir uns an Stefans Kochkunst und liessen uns nach Herzenslust bedienen.

Ferner, man höre und staune, ward unser Haus einer Erneuerung unterzogen. Nicht, dass wir ein anderes erworben hätten – nein, nein! Doch ward das Dach neu gedeckt und die Fassade in frischem Glanz verputzet. Ein gar reges Treiben war’s, ganze zwölf Monde lang tummelten sich Handwerker in unserm Gemäuer. Ich, als wachsamer Hausherr, sprach zu ihnen: „He, ihr dort! Was treibet ihr da? Das gehört anders gemacht! Ich, als Fachmann meiner Zunft, weiss solches wohl besser!“ Doch, wenn mir’s gar zu dumm ward, so liessen die wackeren Burschen mir das Gartentor offen – und ich drehte meine Runden, bis mir die Zunge am Bauche schleifte. Sibylle indes war wenig erheitert.

Aber sie kletterte tagein, tagaus auf dem Dach umher – und ich, armer Tropf, konnt’ ihr nicht folgen! Denn wahrlich, Leitern und Gerüste sind dem Hundewesen nicht zuträglich. Da war’s nur billig, dass ich mir mein eignes Vergnügen suchte.

Doch horchet weiter: Sibylle hat abermals ein neues Steckenpferd gefunden! Jetzt reitet sie – man halte sich fest – ein eisernes Ross! Motorrad nennen’s die Leute, und ich sage euch: das ist der reine Wahnsinn. Erst balanciert sie auf dem Dach, schleppt Ziegel und Balken, und nun jagt sie mit Höllengeschwind auf zwei Rädern durch die Lande. Freilich, ich will nicht heucheln – mir selbst würd’ es wohl auch ein gar teuflisches Vergnügen bereiten. Doch ich bin, Gott sei’s geklagt, der Vernünftigere von uns beiden.

Ihr Vater, ein weiser Mann, hat ihr den besten Lehrmeister in der Kunst des Motorradfahrens besorgt, der sich weit und breit finden lässt. Und sie sagt, sie fahre nun gar züchtig und vernünftig. Ich glaub’s ihr – so wie sie mir glaubt, dass ich nie davonlaufe. Nun, so viel dazu.

Leider plagten mich in jüngster Zeit gar üble Hautleiden. Entzündete Stellen, dass es eine Schand’ ist! So musst’ ich oft zum Tierarzt pilgern, und nun ward offenbar: eine gar hartnäckige bakterielle Infektion hat mich befallen – und, oh Jammer, auch die Zora! Nun müssen wir baden, Pillen schlucken und unsere Decken werden gewaschen, dass es einem schon vor Reinlichkeit schaudert.

Ihr seht, ich tu mein Bestes, dass’s im Hause nicht an Unterhaltung mangelt!

Und die Zora, meine tapfere Gefährtin – glaubt es oder nicht – wird bald sechzehn Jahr! Ein Wunder an Sturheit und Lebenslust. Ich wähne, ihre innere Uhr hat längst das Handtuch geworfen und spricht: „Weisst du was, Zora – ich geb’s auf! Du bist zu eigensinnig, zu unbeugsam. Leb’ halt ewig, wenn du magst!“

So schliesset sich denn der Kreis, und mein Bericht über das vergangene Jahr sei hiermit vollendet – kurz gefasst, doch mit Wahrheit gewürzt und einer Prise Humor versehen. Viel hat sich zugetragen, manch Abenteuer ward bestanden, und so manches Mal dacht’ ich: „Ei, welch seltsame Bande spinnt das Leben!“

Nun, mich dünkt, es sei an der Zeit, wieder öfter Feder und Pfote zu schwingen, auf dass ich euch Bericht erstatte von meinem gar ereignisreichen Dasein.

Bis dahin aber – lebet wohl, haltet euer Futter trocken und die Pfoten sauber.
Ich, Bruce, euer ergebenster Chronist und Hüter des Hauses,
verbleibe in Treue und mit wedelndem Grusse.